Was ist Verhaltenstherapie?

Eine Verhaltenstherapie ist dann angezeigt, wenn Sie z. B. unter Depressionen, Angst oder Panik, mangelndem Selbstvertrauen oder fehlender Selbstsicherheit, Stress, einer Sucht oder Beziehungsproblemen leiden. Ebenso ist sie angezeigt, wenn Sie Schweres erlebt haben, dessen Verarbeitung Ihnen Mühe macht.

Jede Verhaltenstherapie zielt darauf ab, neue Einstellungen und Verhaltensweisen zu erarbeiten, die eine bessere Lebensqualität ermöglichen.

In der Verhaltenstherapie wird zwar auch auf „Ursachen” in der Kindheit geschaut; es wird jedoch eher von einem lerngeschichtlichen Hintergrund ausgegangen. Aktuelle (Fehl)-Verhaltensweisen oder dysfunktionale Denkmuster stehen im Vordergrund.

Ein wesentlicher Vorteil der Psychotherapie ist der weitgehende Verzicht auf Psychopharmaka, mit denen Störungen zwar verdeckt, aber nicht beseitigt werden können. Außerdem besteht bei längerem Gebrauch auch bei niedriger Dosierung (low dose) ein nicht zu unterschätzendes Suchtpotential.

Für die oben genannten Störungsbilder ist der Psychologische Psychotherapeut Ihr Ansprechpartner; organisch bedingte psychische Störungen wie etwa Schizophrenie, psychotische Depressionen usw. sollten dagegen von einem Psychiater medikamentös (mit)-behandelt werden.

 
Störungen Beispiele Therapieangebot durchschnittliche Dauer der Behandlung Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse
Phobien in Bezug auf Situationen oder Objekte Flugangst, Angst vor Tieren, Agoraphobie Verhaltenstherapie (VT) (i. d. Regel Einzeltherapie) 25 bis 45 Sitzungen  ja
Phobien in Bezug auf Situationen mit sozialen Kontakten Soziale Phobie VT (Einzel- und Gruppentherapie) 25 bis 45 Sitzungen ja
Beziehungsprobleme Sexuelle Probleme, Kommunikationsprobleme in der Partnerschaft Paartherapie bis 25 Sitzungen  nein
Psychosomatische Beschwerden Bluthochdruck, Störungen des Magen/Darmsystems, Schlafstörungen, Kopfschmerzen VT (Einzel- und Gruppentherapie) 25 bis 45 Sitzungen  ja (falls Symptome psychischer Störungen)
Verarbeitung von Krisensituationen Verlustgefühle nach Tod, Scheidung, Trennung VT (Einzeltherapie) bis 45 Sitzungen i. d. R. ja
Störungen der Stimmung Depressionen, Euphorien, Gefühllosigkeit VT (Einzel- und Gruppentherapie) 25 bis 60 Sitzungen ja
Zwänge Zwangshandlungen, Zwangsgedanken, VT (i. d .R. Einzeltherapie) bis 40 Sitzungen ja
Ängste  Panikattacken VT (i. d .R. Einzeltherapie) bis 45 Sitzungen ja
Kognitive und verhaltensorientierte Therapie

Der Begriff Verhaltenstherapie wurde von Eysenck eingeführt und bezeichnet die Gesamtheit aller therapeutischer Verfahren, die auf eine Veränderung des gegenwärtigen Verhaltens abzielen. Im Gegensatz zur Psychoanalyse wird die Aufdeckung von unbewussten seelischen Konflikten eindeutig nicht zum Ziel erklärt.

Die Verhaltenstherapie ist ein Anwendungsbereich der Verhaltensforschung, deren Grundsätze auch als Lerntheorien (klassische und operante Konditionierung) bekannt geworden sind.

Im Mittelpunkt der Behandlung mit Verhaltenstherapie steht dabei die Modifikation des Verhaltens durch Prozesse wie Neulernen, Umlernen und Verlernen.

Bestimmten Symptomen psychisch bedingter Störungen können dabei bestimmte Therapieverfahren zugeordnet werden. Zum Beispiel Phobien (unbeherrschbare Angstzustände in bezug auf Situationen oder Objekte) werden in der Regel durch Systematische Desensibilisierung behandelt.
Die isolierte Darstellung verhaltenstherapeutischer Verfahren sollte nicht dazu verleiten, eine einzelne Methode schon als umfassende Therapie zu verstehen. Eine Psychotherapie ist eine sehr komplexe Behandlung, die weit mehr erfordert als das Anwenden einzelner Verfahren. Die in der folgenden Tabelle vorgestellte Auswahl an häufig verwendeten Methoden sollte Interessierten und Hilfesuchenden lediglich zur Orientierung dienen.

 
Verfahrensbezeichnung  Anwendungsgebiete  Verfahrensbeschreibung 
Systematische Desensibilisierung, Reizkonfrontation  Phobien schrittweise Annäherung an das gefürchtete Objekt oder die gefürchtete Situation bei gleichzeitiger Ausführung Angst hemmender Tätigkeiten (z.B. Entspannungsübungen)
Rational-Emotive Therapie, Kognitive Therapie Depressionen Ablauf in drei Phasen: Erkennen der sich automatisch aufdrängenden Gedanken als Ursache für negative Emotionen. Herausgearbeitete Wahrnehmungen, Denkweisen und Einstellungen werden auf ihre Angemessenheit hin untersucht. Erarbeiten alternativer Interpretationen und Einstellungen
Entspannungstechniken: Progressive Relaxation, Biofeedback, Autogenes Training Psychosomatische Beschwerden (Rücken-, Kopf- und Magenschmerzen, Bluthochdruck, usw.), Konzentrationsmangel, Angst Die einzelnen Verfahren beschreiben unterschiedliche Wege zu körperlicher Entspannung (über willentliche An- oder Entspannung), jedoch ist ihnen das Ziel, der bewussten Wahrnehmung eines entspannten Muskels gemeinsam
Gedankenstopp Zwangsgedanken Lernen, unerwünschte Gedanken durch Training eines Stoppsignals zu kontrollieren bei zusätzlichem Einsatz eines positiven Alternativgedankes
Konfrontative Methoden Zwangshandlungen Konfrontativ werden die Zwangsmuster durchbrochen
Selbstbeobachtung Partnerschaftsprobleme, Süchte, Zwänge Unerwünschtes Verhalten (z.B. Aggression gegen den Partner) wird vor der Ausführung und erwünschtes (z.B. "trotz Verlangen - keine Zigarette geraucht) unmittelbar nach der Ausführung aufgezeichnet.
Positive Verstärkung Aufbau von Verhalten, das selten gezeigt, aber dennoch gewünscht wird (z.B. kontinuierliches Lernen vor Prüfungen) einüben, sich selbst zu belohnen, z.B. nach unangenehmen Tätigkeiten angenehme folgen zu lassen.
Rollenspiel Soziale Ängste, auch psychosomatische Beschwerden ausgelöst durch Rollenkonflikte z.B. in Lebensgemeinschaften Je nach therapeutischer Aufgabenstellung werden Situationen (z.B.: Chef um Gehaltserhöhung bitten) gespielt und damit neues Verhalten eingeübt.

Die angeführten Behandlungsmethoden stellen nur einen kleinen Ausschnitt aus dem großen Repertoire an verhaltenstherapeutischen Standardverfahren dar. Die kurze Beschreibung der einzelnen Verfahren sollten nicht dazu verleiten, sich selbst zu therapieren. Die Darstellung ist sehr stark verkürzt wiedergegeben. Nicht zuletzt beruht die Wirksamkeit der verschiedenen Techniken auf die Einbindung in einen Therapieplan, der von einem ausgebildeten und erfahrenen Psychotherapeuten erstellt werden muss.

Link zur Homepage vom Psychologischen Psychotherapeuten Michael Kleinrensing, Duisburg

 

Quellen: